Geschichten aus dem Winterlager

Winterlager

Die Natur hält ihren wohlverdienten Winterschlaf. Der Wind heult im Hafen und die Schiffe liegen gut verpackt an Land. Sie warten aufs nächste Frühjahr und träumen vom vergangenen Sommer.

Einige kuscheln

Wenn man sich leise verhält und die Ohren spitzt, kann man Geschichten hören. Die Schiffe tauschen Erinnerungen der letzten Segelsaison aus. Einige erzählen  von gewonnen Regatten und tollen Preisen. Die alten hölzernen Ladys belächeln diese Angeber, immer das gleiche mit den Regattatypen. Die Ladys erzählen lieber lustige Anekdoten von Badeszenen und Familienausflüge, da ist immer was los. Da wird viel gelacht, die Familien freuen sich über die Schiffe und genießen das Leben.  Das gefällt den Ladys. Einige Schiffe sehen  ungepflegt und verwahrlost aus, sie beklagen sich über die schlechte Pflege. In der Saison war niemand an Bord und  sie mussten entweder an Land bleiben oder  lagen verlassen im Hafen. Andere waren immer nur unterwegs und hatten keine Minute Ruhe, als „Meilenfresser“ werden die Eigner beschimpft.

Unter der Plane

Ein paar ramponierte Schiffe klagen über die mangelnden Navigationskenntnisse der Besitzer. Viele Skipper verlassen sich nur noch auf die Technik, höre ich, fällt die aus, sind sie hilflos und wundern sich, wenn wir knirschend und polternd auf Land fahren. Dann ist das Geschrei groß und uns tut es weh. Zwischen zwei schlanken Schiffen, sogenannten Rennziegen,  geht es richtig zickig zu, jede von ihnen meint, sie wäre die Schönste. Die anderen Schiffe höre ich leise unter den Planen kichern.

Es ist kalt

Dann heult und faucht der Wind so laut, dass ich nichts mehr verstehen kann. Im Frühjahr werde ich nochmals lauschen und vielleicht höre ich ein paar neue Geschichten. Es wird kalt und ich fahre lieber nach Hause.

Die alte Lady „SY Carina“

7 Antworten

  1. Im letztjährigen Schottlandurlaub (Osterferien) haben wir in einem kleine Städtchen eine Wohnung mitten im Ort am Hafen gehabt. Wir hatten alles im Blick. EIn gemauerter Steeg war der Reparatursteeg. Jeden Tag wurde an mindestens einem der Boote gearbeitet. In der zweiten Woche wurde das Treiben immer hektischer. Am Abreisetag stand morgens einer sebstfahrender Schwerlastkran schon um 7 Uhr bereit. Das war ein Gerenne der Eigner. Einer hat die Tür zum Steuerstand nicht auf bekommen. Gegen halb zehn war erst ein Boot im Wasser. Für uns war dann Abfahrt. Den Rest habe ich leider nicht gesehen.
    C.H.

    • Ja, das kann ich mir gut vorstellen, im Frühjahr werden die Eigner immer sehr rege und können die Zeit nicht abwarten.
      Wohnungen in Hafennähe werden immer beliebter, es gibt immer was zu sehen.

  2. Nett erzählt, Deine Geschichte. 🙂 Da sieht man, so ein Schiff ist auch nur ein Mensch;-)
    LG

  3. gelungene Fotos.
    Auch ich mache es wie Blatt und Baum
    und verharre still im Wintertraum…
    Viele Grüße von Lilofee

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